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2004

 
 
boost_Verstärktes Hören

 

ortsbezogene Klangarbeit

in Kooperation mit Kristof Georgen

 

Stadthaus Ostfildern /Städtische Galerie

 
14 Lautsprecher, 6 CD Player, Mixer, PC
Anordnung über 4 Etagen
Installation / Live - Einspielung in 9 zeitlichen Abschnitten
Gesamtdauer: 3:00 h
 
In den gemeinsamen Arbeiten von App/Georgen sind die Grundsätze der Zusammenarbeit oft durch verschiedene Arbeitsansätze geprägt. Im Verlauf der Ausarbeitung erzeugen diese Ansätze ein Spannungsfeld, das die Kooperation auflädt
 
Ansatz Georgen
In der Projektentwicklung zu boost_Verstärktes Hören hatte ich zunächst den Ort selbst als Klangquelle analysiert. Der Ort mit seiner spezifischen Lautsphäre lenkte meine Aufmerksamkeit auf Beobachtungen über Distanz und Dynamik von Klängen. Die Fern- und Nahwirkung von (Klang-) Ereignissen geschah in Abhängigkeit des funktionalen und sozialen Gebrauchs der Architektur. Das Stadthaus Ostfildern (Architekt: Jürgen Mayer H., Berlin) bildet eine mehrgeschossige Architektur, die sich um ein offenes Treppenhaus entwickelt. Über Flure, die teils fenster- und galerieartige Ausblicke zum Treppenhaus gewähren, gelangt der Besucher zu den angeschlossenen Räumen städtischer Ämter und Einrichtungen. Hermetik und Offenheit charakterisieren die Architektur aus Beton, Glas und Aluminium. Als ich mich zu unterschiedlichen Tageszeiten vor Ort aufhielt, öffneten und schlossen sich Türen, kurzes Stimmengemurmel, Herein- und Heraustreten, Schritte, die näherkamen und wieder verhallten, bildeten die Grundgeräusche des Ortes während ansonsten weitgehend Stille herrschte. Alle diese Geräusche sind von dynamischem Charakter. Sie schwellen an, sie verklingen und bilden Formen von Spiegelbildlichkeit. Meine Aufzeichnungen dieser Lautsphäre bildeten an jenem Punkt eine dokumentarische Analyse dieser gegenständlichen Klänge. Um im weiteren Arbeitsprozess der digitalen Klangbearbeitung dieser Gegenständlichkeit auszuweichen, um Struktur und Eigenqualität der Klänge deutlicher werden zu lassen, bediente ich mich kompositorisch dem Mittel der Umkehrung und Wiederholung. Das narrativ Abbildhafte wich zunehmend einem strukturellen Beziehungsgefüge von Klang als zeitlichem Verhältnis von Dynamik, Intensität und Leere. Als Thema führt es zurück zu den Formen des alltäglichen Gebrauchs der Architektur des Stadthauses – eben derjenigen Lautsphäre, die diesen Ort kulturell umschreibt. Der Ort des Ausgangs-materials und der späteren Rezeption bildeten einen sich schließenden Kreis. K.G.
Ansatz App
Mein Interesse galt der Architektur als Resonanzkörper, die Räumlichkeiten wurden mit speziell ausgeformten Klängen erkundet. Die Wirksamkeit wurde in mehreren Probesituationen verifiziert. Das unterschiedliche Ausbreitungsverhalten von Zirpgeräuschen, dumpfen Klängen und rhythmischen Gebilden konnte ständig wechselnde Beziehungen der einzelnen Raumteile zueinander erzeugen.Durchaus verwandte Geräusche treten im alltäglichen Gebrauch des Gebäudes auf, sie sind dabei für die Orientierung im Gebäude hilfreich. Durch die Isolation und Konzentration der speziellen Klänge entstehen sozusagen akustische Leitstrahlen, die die Besucher durch die Architektur führen. Hierbei sind die Eigenheiten des Stadthauses Ostfildern zu erkennen – die ständig neuen Konstellationen des schrägenwandigen Treppenhaustraktes, die Beziehungen der Gänge zueinander und die sich aus den Gängen weitenden Stellen der Warte- und Ruhebereiche.Mit sporadisch zu hörenden Durchsagen in verschiedenen Sprachen von der obersten Gebäudeebene aus, die nach einem Zufallsmodus gesteuert werden, wird eine Reminiszenz an eine Öffentlichkeit provoziert. -  an Verbindendes wie Bahnhöfe und Flughäfen, aber auch an Fremdheit und Sprachlosigkeit. K.A.

Synthese
An diesem Abend bildet das Stadthaus Ostfildern über verschiedene Etagen ein akustisches Feld unterschiedlicher Klangeinspielungen.Kurt App und Kristof Georgen – seit vielen Jahren gemeinsam im Bereich ortsbezogener Klangarbeiten tätig – stellen auch für das Stadthaus Ostfildern eine eigens komponierte Struktur rechnergenerierter und dokumentarischer Klänge in Anlehnung an den architektonischen Raum vor.Hierbei bilden die alltägliche Lautsphäre des Stadthauses, seine spezifische Nutzung und Architektur sowie unsere gewohnheitsmäßige Hörwahrnehmung von Musik und Alltagsgeräusch Aspekte der Klangarbeit. Als dreistündige ausschließlich für diesen Abend angelegte Arbeit gliedert sich diese in mehrere kompositorische Abschnitte: installative Elemente mit festgelegten Klangmaterialien wechseln und überlagern sich mit konzertanten, live eingespielten Klängen.Die Aufführung war aus 9 festgelegten Sequenzen komponiert, sie setzte sich zusammen aus fünf in Echtzeit gespielten Teilen im Foyer und den sich ändernden Klängen in den Gängen. Während 3 Stunden bewegte sich die Konzentration vom Zentrum bis die Peripherie und wieder zurück zum Zentrum. Dieses Thema kehrte 5-mal wieder.

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